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Urinstinktevon Petra Lahann Jedes Tier hat Urinstinkte, so heißt es. Wir Menschen haben z.B. Angst vor giftigen Tieren, wie Schlangen und Spinnen. Die meisten Beutetiere, also auch die Wildmeerschweinchen, reagieren normalerweise auf Bewegungen in der Luft oder ungewohnte Geräusche mit Verstecken und Panik. Aufgrund dessen habe ich mir mal meine Meerschweinchen angeschaut und Folgendes festgestellt: Der Urinstinkt meiner Wohnungsmeerschweinchen beläuft sich darin, dass sie den ganzen Tag Hunger haben. Immerhin, das ist nicht verloren gegangen im Laufe der Wohnzimmerevolution. Bei Wini, die ja aus dem Hagenbeck Zoo kommt, merkt man noch gewisse Tendenzen zum Urmeerschweinchen, insofern, dass sie vor greifenden Händen bzw. allem was von oben kommt (außer der runterfallenden Gurke), wegläuft wie der geölte Blitz. Aber Wini ist sowieso schissig und verhaltensgestört. Sie hat auch Angst vor ihrem eigene Schatten und jedem andren Meerschweinchen. Der Rest meiner Schweinbande läuft urinstinktlos den ganzen Tag zwischen und auf meinen Füßen rum, bettelt mich an, lässt sich gerne vom brüllenden Staubsäuger zur Seite schieben und schläft egal, was kommt und schreit und bohrt und tut, seelenruhig ohne Deckung offen auf der Seite liegend herum. Anfassen und streicheln mögen sie zwar alle nicht, aber Angst haben sie nicht vor mir oder sonst jemanden und ich werde des Öfteren gezwickt oder angeklappert, wenn den Herrschaften etwas nicht passt. Auch von den in Büchern beschrieben "Entenmarsch" kann ich bei mir nichts erkennen: Normal läuft in der Natur der Bock vorneweg und die Weibchen hinterher. So fällt man nicht so auf, sichtbar ist ja nur ein Schweinchen und ein herannahender Räuber frisst so im schlimmsten Fall nur den (ersetzbaren) Mann. Bei mir toben alle in breiter Front kreuz und quer und ohne Ordnung durch die Wohnung. Tja dachte ich mir, so ist das wohl. Im Laufe der Domestikation geht wohl so Einiges verloren an Instinkten. Dann erzählte mir Manfred interessanterweise von seinen Gartenauslauf-Experimenten. Unsere Meerschweinchen sind demnach gar nicht so dumm und können sehr wohl zwischen Wohnzimmer-Sicherheit und Gartenfreiluft-Risiko unterscheiden. Manfreds Meerschweinchen, die sich drinnen in der Wohnung ähnlich wie meine verhalten bzw. genauso, wie ich während der Urlaubspflege feststellen konnte, verhalten sich draußen ganz anders: Die ersten Versuche liefen so ab, dass die Meerschweinchen vor lauter Angst (quiek, wo ist denn die Zimmerdecke?) die Deckung im Gartenauslauf nicht verlassen haben. Dann war da noch dieser leckere Grasgeruch, aber wer zum Kuckuck hat das Gras bloß festgeklebt? OK, die Gewöhnung daran, dass schwein das Gras abbeißen muss und nicht nur per Blatteinzug einsaugen kann, ging relativ schnell und es macht wohl sogar schweinischen Spaß. Es ging dann so weiter, dass die Deckung vorsichtig verlassen wurde und schwein dann auch wirklich im Entenmarsch durch die Gegend marschierte. Hierbei wurden Luft und Umgebung vorsichtig beäugt. Später ging dann schwein auch wieder verstärkt seinen Hobbys nach (Fressen und Scheißen), aber dennoch vorsichtig und bei vermeintlicher Gefahr, wie einem Raubvogel, erfolgte der sofortige Rückzug in die Deckung. Was mich aber am meisten erstaunte: Manfreds ruhten sich nach erfolgreicher Graszufuhr auch gerne draußen aus und schliefen, aber es blieb abwechselnd immer einer wach und beäugte aufmerksam die Umgebung. Und insgesamt pennten sie nicht so fest wir drinnen. Meine Wohnungsdamen muss man anstupsen, wenn es was zu essen gibt, damit sie nicht verpennen. Zurück in der Wohnung aber führen sich Manfreds Meerschweinchen aus wie eh und je: urinstinktlos und schnarchend. Gar nicht so dumm unsere Hausmeerschweinchen. | |||
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