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Übermütter - ein oft verkanntes Problem

von Anke Kühl
erschienen in der Guinea-Tips Ausgabe 74 / Juni & Juli 2006
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Wer kennt das nicht – endlich ist der lang ersehnte neue Wurf da, die Welpen sind endlich geboren. Und man freut sich, alle kerngesund – die Mutter hat auch alles gut überstanden.

Nur dann sieht man die Welpen kaum. Mama sitzt nur über ihnen und rührt sich nicht vom Fleck. Praktisch "anheben" muss man Mama, damit sie sich von den Kleinen mal fortbewegt. Die ersten zwei oder drei Tage ist das ja auch alles schön und gut und zunächst durchaus auch ein normales Verhalten. Aber was ist wenn es so bleibt und man die Kleinen auch danach nicht zu sehen bekommt, da sie ewig unter Mamas Bauch sitzen. Kein Baby, das mal irgendwo im Futternapf rumhockt, kein fröhliches Herumtoben und Herumhopsen...

An sich sollten die Kleinen nach ca. drei Tagen den Futternapf ganz fürchterlich durchwühlen und sich die Leckereien heraussuchen, die sie mögen, oder einen Gras-/Heuhalm in dem kleinen Mund haben. Sie sollten herumlaufen und alles erkunden und die Erwachsenen beobachten um zu lernen

Was zusätzlich auffällt ist, dass auch die Mutter kaum zum Fressnapf geht oder anderes Frischfutter frisst. Sie hockt immer nur über ihren Welpen.

Und natürlich nimmt sie so rapide und erschreckend schnell ab.

In so einer Situation muss man eingreifen, bevor Schlimmeres geschieht. Es ist mühsam und macht viel Arbeit – hilft in der Regel aber. Man muss die Jungen tagsüber des Öfteren "Zwangsabsetzen", wenn nötig (bei Gewichtsverlust – regelmäßiges Wiegen!) mit einer Einwegspritze (ohne Nadel) zufüttern. Das Muttertier muss ebenfalls zur Futteraufnahme animiert werden. Man bietet dem Tier dann die leckersten "Frischgerichte" an. Man kennt ja sein Tier und seine "geschmacklichen" Vorlieben. Zur Not, wenn sie schon sehr stark abgenommen hat, kann man auch Babybrei (Alete/Hipp/etc. Karotte, Vollkornbrei – ohne Zuckerzusatz) oder Critical Care anbieten oder zufüttern. Wichtig ist auch die zusätzliche Gabe von Calcium, damit hier kein Mangel entsteht. Ampullen (Frubiase) gibt es in der Apotheke.

Die Welpen werden dann stundenweise wieder zugesetzt, damit sie im normalen Rahmen noch weiterhin säugen können.

Handelt man nicht, verliert man in der Regel den gesamten Wurf samt Muttertier. Und: Wenn man die Welpen nun groß hat, die Mutter wieder fit ist: dann ist ihr lebenslanges "Rentnertum" zuzusichern. Sie gehört aus der Zucht genommen, da im Regelfall beim nächsten Wurf diese "Überbemutterung" bis zur völligen Selbstaufgabe wieder auftritt. Und Schweinchen, die sich aufopfern – im wahrsten Sinne des Wortes – für ihre Welpen, gefährden ihr eigenes Leben. Und ein Schweinchenleben soll ja lang sein!

 
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