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Böcke brauchen nicht alleine seinvon Gerda Böhl Häufig kommt es vor, dass sich interessierte Anrufer gleich im Vorwege danach erkundigen, ob man denn Weibchen vorrätig hätte, weil Böckchen kämen nicht in Frage, da sie ja sowieso stinken. Leider wird auch in einschlägiger Fachliteratur dieses alte Vorurteil nicht ausgeräumt, so dass es immer wieder zu Gesprächen kommt und auch gut funktionierende Boygroups vorgeführt werden. Und meistens verläßt ein eingefleischter Weibchensucher glücklich mit zwei Böckchen den Züchter. Doch bis es soweit kommt, gilt es diese schlimmen Vorurteile aus dem Weg zu räumen: So wird gelegentlich behauptet, dass sie mehr stinken als Weibchen, oder sie spritzen mit Urin, sie beißen sich sogar und können nicht gemeinsam mit anderen Böcken gehalten werden oder sie werden nicht so zahm wie Weibchen. Falls sich dann doch jemand entschieden hat ein Böckchen zu nehmen, so führt er oft ein einsames Leben in Einzelhaft. Es ist zwar richtig, dass Meerschweinchen Urin spritzen, allerdings passiert dies ausgesprochen selten wenn sie gleichgeschlechtlich zusammenleben. Das Männchen versucht um das Weibchen zu werben und bespritzt es mit Urin. Ist sie nicht brünstig, wehrt sie das Männchen ab und spritzt ebenfalls mit Urin. Ein häufiger Streitpunkt ist, dass Männchen viel intensiver riechen würden. Bei normaler Zimmerhaltung von zwei Tieren, dabei ist egal ob Männchen oder Weibchen, ist kein Unterschied festzustellen. Nur wenn ein Paar zusammenlebt und das Männchen zu werben beginnt, treten strengere Markierungsdüfte auf, die allerdings auch nur zu bemerken sind, wenn man die Nase direkt in den Käfig hält. Auch das ist also kein Grund, ein weibliches Meerschweinchen beim Kauf vorzuziehen. Meerschweinchen beißen nur in Notsituationen, in denen sie starke Schmerzen oder Panik verspüren, so zum Beispiel bei falschem Hochheben oder Tragen. Dann beißt ein Weibchen aber genauso zu wie ein Männchen. Selbst in Situationen, in denen Kaninchen sich schon längst mit Beißen wehren, sitzt das Meerschweinchen eher ängstlich oder verschüchtert auf dem Arm. Männchen sind (meiner Meinung) noch zahmer und anhänglicher als Weibchen, obwohl wir auch zahme Mädel bei uns im Stall haben. Böckchen sind meistens noch munterer und verspielter als die Weibchen. Im Auslauf ist zu beobachten, dass sie viel neugieriger und lebhafter sind und sich viel eher wagen neue Regionen der "großen Welt" zu erkunden. Meerschweinchen sollten grundsätzlich mindestens zu zweit gehalten werden. Der Mensch ist niemals in der Lage, den Artgenossen zu ersetzen. Auch wenn das Tierchen oft Auslauf erhält und viel mit ihm gespielt wird, sitzt es doch die meiste Zeit allein im Käfig. Die Mindestgröße für einen Käfig beträgt 100 x 50 cm und darin kann man dann getrost auch zwei Tiere halten. Und auch das Futter für ein zweites Meerschweinchen ist kein so großer Kostenfaktor, dass man ihn nicht für ein "glückliches" Meerschweinchenleben investieren könnte. Das Meerschweinchen sich weniger an Menschen binden, wenn sie zu zweit gehalten werden, stimmt nicht. Ganz im Gegenteil: Ein einzeln gehaltenes Tier ist viel scheuer und gewöhnt sich langsamer an die Hand des Besitzers. Die Tiere sind auch viel munterer, wenn sie nicht alleine leben. Das eine ermutigt das andere mit ihm durch ihr Revier zu laufen und es zu erkunden. Ich erzähle meistens den Kindern, die eigentlich nur ein Schweinchen haben wollen oder bei denen die Eltern die Akzeptanz zu einem Gesellschaftsschwein fehlt, dass die kleinen Schweinchen sich doch erzählen müssen, dass es z.B. auf dem Arm eben etwas total leckeres gegeben hat und das es sich nicht fürchten muss. Auch weise ich die Kinder darauf hin, dass sie sich allein auch sehr fürchten würden. Wenn man zwei Männchen zusammen halten will, sind einige Punkte zu beachten: Zwei erwachsene Böcke lassen sich in den meisten Fällen nicht mehr aneinander gewöhnen. Zwar bestätigen Ausnahmen die Regel, doch auf solche Tests sollte sich der Tierliebhaber nicht einlassen. Viel einfacher ist der Kauf von zwei Jungtieren im Alter von fünf bis acht Wochen, In diesem Alter zusammengesetzte Männchen vertragen sich ihr Leben lang, vorausgesetzt sie haben nie Kontakt zu weiblichen Artgenossen. Denn sobald ein Weibchen in die Nähe kommt, wird um sie geworben und die zwei, bis dahin besten Freunde, beginnen sich um das Weibchen zu prügeln. Es sollte also vermieden werden, mit seinen Tieren zum Nachbarn zu gehen, damit sie zusammen auf der Wiese spielen können. Dann wäre der Streit vorprogrammiert. Auch empfehle ich meinen Gesprächspartnern und Meerschweincheninteressierten, falls mal ein Tierarztbesuch ansteht, immer mit beiden zusammen loszugehen, damit sie sich nicht aus den Augen verlieren. Würde der eine allein zurück vom Tierarztbesuch kommen, riecht er anders und dies kann manchmal schon ein Streit heraufbeschwören. Stirbt nun im Alter einer von Beiden, so muss der überlebende Partner nicht für den Rest seines Lebens allein bleiben. Man kann ihm wieder einen neuen Partner hinzusetzen. Allerdings muss das neue Tier im zarten Alter von fünf bis acht Wochen sein, da ein älteres Tier nicht geduldet wird. Ein junges Böckchen passt sich ohne Probleme dem ranghöheren älteren Meer-schweinchen an. Gelegentlich kommt es in den ersten Tagen zu einigen "Meinungsverschiedenheiten", weil der Ältere von beiden versucht, den Jüngeren zu decken. Er wird jedoch schnell begreifen, dass der neue Mitbewohner kein deckungsbereites Weibchen ist und so verlieren sich die Rangeleien von selbst. Ist das Meerschweinchen als Heimtier auserkoren worden, sollte man sich nicht von Vorurteilen über Meerschweinchen-Böckchen leiten lassen. Sie haben ein Recht auf eine liebevolle Behandlung und sollten ihr Leben nie allein bewältigen. | |||
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